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Interim-Projektleitung: wann sie sich lohnt

Nicht jedes Unternehmen hat die passende Projektleitung für ein großes ERP- oder Digitalisierungsvorhaben im Haus — und muss sie auch nicht dauerhaft vorhalten. Eine Interim-Projektleitung bringt erfahrene Steuerung auf Zeit, genau für die Dauer des Projekts. Wann lohnt sich das, und worauf sollten Sie achten?

Typische Situationen

  • Kompetenz fehlt intern: Ein ERP-Projekt ist selten Alltagsgeschäft — die nötige Methodik und Erfahrung sind im Haus nicht vorhanden.
  • Kapazität fehlt: Die geeigneten Köpfe sind im Tagesgeschäft gebunden und können nicht für Monate herausgelöst werden.
  • Neutralität ist gefragt: Zwischen Abteilungen mit unterschiedlichen Interessen wirkt eine externe Leitung als neutraler Moderator.
  • Ein Projekt ist in Schieflage: Es braucht kurzfristig jemanden, der es wieder auf Kurs bringt.

Die Vorteile

Eine erfahrene Interim-Projektleitung bringt erprobte Methodik und den Blick von außen mit — sie hat vergleichbare Projekte schon mehrfach gesteuert und kennt die typischen Fallstricke. Sie ist ab Tag eins einsatzfähig, ohne lange Einarbeitung in interne Politik, und sie kann unbequeme Wahrheiten aussprechen, weil sie nicht in Abhängigkeiten und Hierarchien verstrickt ist. Nach dem Projekt endet das Engagement planbar — ohne dass eine dauerhafte Stelle geschaffen werden muss.

Ein weiterer, oft unterschätzter Vorteil: Eine externe Projektleitung muss auf keine politischen Grabenkämpfe Rücksicht nehmen und verfolgt keine eigene Agenda, die etwa mit der eigenen Karriere im Unternehmen zu tun hätte. Sie kann ihr Handeln allein am Projekterfolg ausrichten — und das auch dann, wenn eine Entscheidung unbequem ist.

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

Entscheidend ist nicht nur die fachliche Erfahrung, sondern die Fähigkeit, Menschen zu führen und zwischen Fachbereich und IT zu übersetzen. Achten Sie auf nachweisbare Projektpraxis in vergleichbarer Größe, auf methodische Fundierung (etwa PRINCE2, Scrum, Requirements Engineering) und darauf, dass Wissen übergeben wird: Eine gute Interim-Leitung baut interne Strukturen auf, statt sich unentbehrlich zu machen.

Wägen Sie dabei bewusst Erfahrung gegen Tagessatz ab: Ein erfahrener Senior-Projektleiter kostet mehr, bringt aber Routine, Standing und einen sicheren Umgang mit kritischen Situationen mit — und vermeidet dadurch oft teure Fehler. Eine Junior-Kraft ist günstiger, aber unerfahren; was Sie beim Tagessatz sparen, zahlen Sie schnell in Lehrgeld, Verzögerungen und Nacharbeit wieder drauf. Gerade in einem geschäftskritischen ERP-Projekt ist die vermeintlich teurere Variante meist die wirtschaftlichere.

Der oft übersehene Nebeneffekt: Wissenstransfer

Die beste Interim-Projektleitung hinterlässt mehr als ein abgeschlossenes Projekt — sie hinterlässt ein Team, das gestärkt daraus hervorgeht. Etablierte Prozesse, dokumentierte Entscheidungen und geschulte interne Kräfte sorgen dafür, dass die Organisation auch nach dem Projekt handlungsfähig bleibt. Genau das unterscheidet sie von reiner Kapazitätsmiete.

Fazit

Interim-Projektleitung lohnt sich, wenn Erfahrung, Kapazität oder Neutralität intern fehlen — oder ein Projekt kurzfristig gerettet werden muss. Sie liefert erfahrene Steuerung auf Zeit, ohne dauerhafte Festlegung, und stärkt im Idealfall die eigene Organisation gleich mit. Wichtig ist die richtige Person: mit Methodik, Führungsstärke und dem Willen, sich am Ende überflüssig zu machen.

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