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Das Lastenheft für die ERP-Ausschreibung: Aufbau & Vorlage

Das Lastenheft ist das Herzstück jeder ERP-Ausschreibung. Es beschreibt aus Sicht des Auftraggebers, was das System leisten soll — nicht, wie der Anbieter es löst (das kommt später ins Pflichtenheft). Ein gutes Lastenheft hat einen doppelten Nutzen: Es zwingt Sie, Ihre Anforderungen zu klären, und es macht Angebote überhaupt erst vergleichbar.

Warum sich der Aufwand lohnt

Ohne Lastenheft antwortet jeder Anbieter auf eine andere Frage — und Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Mit einem strukturierten Dokument dagegen beziehen sich alle Angebote auf dieselben, priorisierten Anforderungen. Das verkürzt die Auswahl, senkt das Risiko teurer Missverständnisse und ist später die Grundlage für Vertrag und Abnahme.

Aufbau: die Gliederung im Überblick

  1. Ausgangslage & Ziele — Unternehmen, Anlass des Projekts, messbare Ziele.
  2. Rahmenbedingungen — Zeitplan, Budget­rahmen, Standorte, Sprachen, rechtliche Vorgaben.
  3. Ist-Situation — bestehende Systemlandschaft, Mengengerüst (Nutzer, Belege, Artikel), Schnittstellen.
  4. Funktionale Anforderungen — je Prozess/Modul, klar und prüfbar formuliert.
  5. Nicht-funktionale Anforderungen — Performance, Verfügbarkeit, Datenschutz, Usability.
  6. Technische Anforderungen — Cloud/On-Premise, Schnittstellenstandards (z. B. EDI, REST), Betrieb.
  7. Migration & Einführung — Datenübernahme, Schulung, gewünschtes Vorgehen.
  8. Formales — geforderte Angebotsstruktur, Bewertungskriterien, Fristen.

Anforderungen richtig formulieren

Jede Anforderung sollte eindeutig, prüfbar und lösungsneutral sein. Statt „das System soll modern sein" besser: „Das System muss Angebote als PDF erzeugen und automatisch per E-Mail versenden können." Nummerieren Sie jede Anforderung — so können Anbieter Punkt für Punkt antworten und Sie später Punkt für Punkt abnehmen.

Priorisieren: nicht alles ist ein Muss

Kennzeichnen Sie jede Anforderung nach Priorität, etwa mit MoSCoW (Must / Should / Could / Won’t). Das ist der wichtigste Hebel für eine faire Bewertung: Die „Must"-Kriterien entscheiden über K.-o., die „Should"- und „Could"-Kriterien differenzieren die verbleibenden Anbieter. Ohne Priorisierung gewichten Sie am Ende unbewusst Nebensächlichkeiten.

Format: Word-Dokument oder Excel-Ausschreibung?

Ein Lastenheft als reines Word-Dokument ist in der Ausschreibung unhandlich — Anforderungen verschwimmen leicht in Prosa. Praktikabler ist eine Ausschreibung als Excel-Sheet, das als Cloud-Dokument bereitgestellt wird. So können die Anbieter direkt an jeder einzelnen Anforderung kommentieren und Rückfragen stellen; es entsteht eine gewisse Interaktivität, ein echter Dialog. Über eine Statusspalte lassen sich bereits geklärte Punkte ausblenden — und am Ende können Sie auswerten, welche Anforderungen im Standard enthalten sind und welche auf eine Sonderentwicklung hinauslaufen.

Häufige Fehler

  • Lösungen statt Anforderungen beschreiben — Sie schränken die Anbieter unnötig ein.
  • Alles ist „Muss" — dann ist nichts mehr priorisiert.
  • Mengengerüst fehlt — ohne Zahlen kann niemand seriös kalkulieren.
  • Keine Bewertungskriterien — die Auswahl wird am Ende zur Bauchentscheidung.

Fazit

Ein Lastenheft ist kein bürokratischer Selbstzweck, sondern das Werkzeug, mit dem Sie die Kontrolle über die Ausschreibung behalten. Die investierte Zeit zahlt sich doppelt aus — in besseren Angeboten und in einem Projekt, das von Anfang an weiß, wohin es will. Das Lastenheft ist übrigens Schritt fünf unserer 8-Schritte-Checkliste zur ERP-Auswahl.

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